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Demenz: Herausforderung für Betroffene und Angehörige

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Wenn ein geliebter Mensch plötzlich Probleme bei alltäglichen Erledigungen hat, die berühmte Herdplatte nicht ausschaltet oder in normalen Situationen aufbrausend, beinahe bedrohend reagiert, ist das für Angehörige im ersten Moment ein schwerer Schlag. Die Diagnose Demenz wirkt sich nicht nur bei den Erkrankten (sofern es sich um ein frühes Stadium handelt und die überbrachte Nachricht noch verarbeitet werden kann) niederschmetternd aus, sie ist besonders für den Ehepartner, die Kinder oder Enkel eine große Herausforderung. Wie gehe ich damit um? Was muss ich anders machen? Und wie verhalte ich mich in jeder Situation richtig?

Schwierige Kommunikation

Angehörige wie Pfleger müssen in der Kommunikation und im Umgang mit Demenzkranken umdenken. Normale, alltägliche Situationen wie der Besuch eines Nachbarn zum Plausch oder der Gang zum Einkaufen können bei einem Demenzkranken Verwirrung, Sorge und Unverständnis auslösen. Dementsprechend heftig fallen teilweise die Reaktionen aus. Das Problem hierbei sind jedoch nicht die Demenzkranken, die für das Missverständnis nichts können. Es ist ein Sender-, kein Empfängerproblem. „Wir gehen bei jedem Gespräch, bei jeder Geste und jeder Tätigkeit davon aus, dass unser Gegenüber weiß, was wir meinen. Genau darin liegt bei Demenzkranken aber der Unterschied. Zumal dies bereits bei zwei gesunden Menschen zu Komplikationen führen kann.“, so Angelika Schlösser, Inhaberin des Rheinbacher Pflege- und Betreuungsteams, das sich auch insbesondere auf die Pflege Demenzkranker ausgerichtet hat. „Angehörige müssen daher besonders sensibel mit Erkrankten reden und vielleicht auch Selbstverständlichkeiten mehrmals erläutern.“

Als Beispiel: Es mag für den einen Teil eines Ehepaares selbstverständlich sein, dass man seit 40 Jahren seine Heimat in einem kleinen Häuschen im Rhein-Sieg-Kreis gefunden hat. Ein Demenzkranker hat dies jedoch eventuell vergessen und möchte nach Hause. Nicht nur der zunehmende Gedächtnisverlust stellt die Angehörigen vor Probleme, auch die Tatsache, dass Demenzkranke immer mehr in eine eigene, gesunden Menschen völlig unzugängliche Welt abdriften, erschwert die Kommunikation.

Verständnis und Einfühlungsvermögen

Ob Pflegefachkraft, die morgens das Frühstück zubereiten möchte, oder Angehörige, die sonstige Hilfen im Haushalt leisten, die Grundvoraussetzung beim Umgang mit einem Demenzkranken sind Verständnis und Einfühlungsvermögen. Es ergibt wenig Sinn, sich auf eine Diskussion einzulassen, die zu einem Streit auswachsen kann. Es ist ein Umdenken erforderlich. Wenn ein Demenzkranker darauf besteht, dass er oder sie noch kein Mittagessen erhalten hat, dann nützen auch die gegenteiligen Beteuerungen des Betreuers wenig.

Das Hauptziel, das Angehörige und Pfleger sich beim Umgang und der Kommunikation mit einem Demenzkranken setzen müssen, ist die Erhaltung und Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehung. Ehepartner und Kinder können dem Erkrankten zeigen, dass sie für ihn oder sie da sind und so Liebe und Geborgenheit schenken. Besonders bei einem zunehmend aggressiven Verhalten sollte man daher wenig Augenmerk auf den Inhalt der Aussagen legen und sich eher hinterfragen, was dieses Verhalten ausgelöst haben könnte. Demente Menschen verlieren nicht nur geistige Fähigkeiten, sondern auch die Fähigkeit, Gefühle präzise auszudrücken. Bei aggressivem Verhalten könnte der Erkrankte also Schmerzen haben oder überfordert sein.

Entspannter Umgang durch eigene Ruhepausen

Besonders wichtig ist es, die Situationen selbst entspannt und ruhig anzunehmen. Wenn Angehörige oder Betreuer bereits gestresst sind, ist die Eskalation nicht weit. Bei einem Streit oder einem Missverständnis in der Kommunikation ist es daher besser, den Demenzkranken eine kurze Zeit zur Ruhe kommen zu lassen und selbst das Zimmer zu verlassen, um die angespannte Stimmung zu beruhigen. Nach einiger Zeit greift man den Gesprächsfaden an einer unverfänglichen Stelle wieder auf.

Für den Umgang mit Demenzkranken gibt es einige einfache Regeln, die das Zusammenleben erleichtern.

Zeit und Ruhe sind also entscheidende Faktoren für das Zusammenleben und die Pflege. Daher ist der wertvollste Tipp für Angehörige, die einen Demenzkranken pflegen: Nehmen Sie sich auch Zeit für sich selbst. Hobbys und Bekanntschaften lenken vom Alltag ab. Einen Menschen mit Demenz zu pflegen ist eine heroische Herausforderung. Daher sollte man sich Hilfe holen, bevor die Überforderung einsetzt. Ambulante Pflegedienste, Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise stehen hierfür bereit.

© Rheinbacher Pflege- und Betreuungsteam 2007-2017